Neues Einsatzleitsystem nimmt Betrieb auf

von Karl DecosterZuletzt am Montag, 4. April 2016 geändert.
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Bei der momentan laufenden Ausschreibung für ein neues Einsatzleitsystem für Niederösterreich gibt es eine neue interessante Entwicklung. Ein internationaler Hersteller von Kommunikationstechnologie hat eine völlig neue Leitstellentechnik entwickelt und stellt diese praktisch zum Selbstkostenpreis dem Land Niederösterreich zur Verfügung. Damit soll ein Vorzeigeprojekt geschaffen werden, der Hersteller erhofft sich mit diesem Projekt als Referenz natürlich Erfolge auf dem internationalen Markt.

Durch eine spezielle Entwicklung eines Telefonbetriebssystemes gelang es die gesamte Funktionalität in ein Smartphone hinaufzuladen. "Wir haben einfach den gesamten Ballast entfernt, die bunten Icons, den Socialmediakrams und dabei festgestellt, das so ein Smartphone unheimlich leistungsstark ist." so ein Sprecher des Herstellers. Notrufannahme, Dispostion, Alarmierung, Funkverkehr: einfach alles kann über das Smartphone abgewickelt werden.

Das wirklich clevere ist aber, das das System völlig ohne zentrale Serverlandschaft auskommt. Jedes im Notrufverbund angemeldete Mobiltelefon reserviert einen Teil der Rechenkapazität für Aufgaben im Gesamtverbund, Redundanzen werden so on-the-fly bereitgestellt. Bei Ausfall eines Mobiltelefons übernehmen sofort zumindest 2 weitere Mobilgeräte die Rechnenfunktionen, das Netzwerk wird so durch Ausfälle leistungsstärker und pegelt sich nach einer Einschwingphase auf ein Optimum ein.

Die im Land zuständige Abteilung IVW4 zeigte sich von den ersten Erfahrungen beeindruckt und beauftragte einen Pilot. Aufgrund der Erfahrungswerte mit anderen EInsatzleitsystemen starteten die Disponenten in Krems/Donau den Parallelbetrieb. Vorerst sind 47 iPhones und 28 Samsung-Telefone in diesem ELS-Netzwerkverbund gekoppelt, die so zur Verfügung gestellte Rechenleistung übertrifft bereits die derzeit verwendeten ELDIS-Rechner um ein Vielfaches. Der erste Notruf im neuen System wurde heute um 10:40 entgenommen, Disponent Markus Höbarth zeigt sich erfreut: "Die Sprachqualität ist vor allem mit den neuen Notrufhörern deutlich besser!"

Landesfeuerwehrrat Thomas Docekal testet das neue System und überzeugte sich von den technischen Möglichkeiten. Er prüft bereits, inwieweit das System bei den Betriebsfeuerwehren ebenfalls Verwendung finden könnte. Gerade die fortschreitende Personalbelastung mit administrativen Tätigkeiten macht ihm Sorge, ein derartig mächtiger Netzwerkverbund eröffnet hier eventueli Auswege.

Inwieweit die laufende Ausschreibung für ein neues Einsatzleitsystem durch diesen technischen Durchbruch überhaupt noch notwendig ist, ist momentan Gegenstand genauer Prüfung. Landesfeuerwehrjurist Dr. Beck prüft gemeinsam mit Feuerwehrjurist Gernot Rohrhofer die diesbezüglich eingereichten Unterlagen. Landesfeuerwehrkommandant Fahrafellner ist momentan auf Urlaub, aber sein Stellvertreter Vizepräsident des ÖBFV Armin Blutsch, ein gestandener IT-Fachmann, sieht hier vor allem die positive Synergien: "Ein Smartphone haben wir alle. Wenn die 100.000 NÖ Feuerwehrmitglieder ihre Kapazitäten bündeln, dann sind wir jeder Situation gewachsen." so sein Kommentar.

Die Mitglieder der Technikgruppe, die an der Ausschreibung für das neue Einsatzleitsystem mitarbeiten, haben bereits eine Empfehlung parat: "Bei der Neuanschaffung eines Smartphone unbedingt darauf achten, dass zumindest 32 GB Hauptspeicher verbaut sind." so der Alarmzentralen-Spezialist Brandrat Gerhard Urschler.

Die rasante Entwicklung auf diesem Sektor wird in den kommenden Wochen einen neuen Höhepunkt finden: In St. Pölten soll mit einem Makrosystem, wo mehr als 1000 Smartphones gekoppelt werden, das gesamt Gesprächsvolumen der  "144 Notruf Niederösterreich" während eines 8-stündigen Testlaufs abgearbeitet werden. Wenn das klappt, so munkeln Insider, wird das neue System ohne Wenn und Aber in allen Bezirksalarmzentralen installiert.

PS: Es ist eine langjährige Tradition unsere Leser in den April zu schicken. Ich hoffe, Sie hatten beim Lesen nur halb so viel Spaß wir wir beim Schreiben und Herumhantieren mit dem roten Telefonhörer! Der Hörer funktioniert übrigens tatsächlich mit jedem gängigen Smartphone...